Die Kata des Okinawa Isshin-ryu Karate-do
Eine informelle Diskussion ihrer
möglichen Ursprünge
2000, Joe Swift, Kanazawa, Japan
Seit seiner offiziellen
Anmeldung im Jahr 1956 hat das Okinawa Isshin-ryu Karate-do Kobudo auf der
ganzen Welt verbreitet, mit Dojos auf den meisten Kontinenten. Seither
wurden viele Artikel, Bücher und Videos in englischer Sprache über dieses
System veröffentlicht. Die meisten jedoch verwenden dieselben Quellen für
ihre Forschungen, wobei sie – wenn überhaupt – nur wenig Forschung aus
erster Hand betreiben, d.h. aus Büchern von okinawanischen Forschern, die in
japanischer Sprache geschrieben sind.
Dieser Artikel wird versuchen, die Ursprünge
der Isshin-ryu Kata zurück zu verfolgen und dabei hauptsächlich diese Form
von Primärmaterialien zu verwenden, in der Hoffnung, dass dies die Luft von
einigen Mythen und Fehlinformationen reinigt, die die englisch sprechende
Isshin-ryu Gemeinschaft seit Jahrzehnten belasten.
Seisan
no Kata
Seisan bedeutet 13, einige bezeichnen sie auch
als 13 Hände, 13 Fäuste oder 13 Schritte. Gewöhnlich in Shuri und Naha
unterrichtet, ist diese Kata aus der Tradition von Kyan Chotoku die erste
Kata, die der Isshin-ryu Schüler lernt.
Es ist nicht klar, wofür die Zahl 13
tatsächlich steht. Einige denken, es war die Anzahl der Techniken in der
ursprünglichen Kata, einige denken, die Zahl steht für die 13 verschiedenen
Formen der „Kraft“ oder „Energie“, die man in der Kata findet. Andere
denken, sie repräsentiert die Anzahl der verschiedenen Anwendungsprinzipien,
einige denken, sie repräsentiert die Verteidigung gegen 13 spezifische
Angriffe, und wieder andere denken, es ist die Anzahl der imaginären Gegner,
denen man während der Ausführung der Kata begegnet. Bei all diesen Theorien
muss der Autor der letzten widersprechen, denn es ist in hohem Maße
unrealistisch, dass eine Kata es lehrt, mit solchen Situationen umzugehen.
Ganz im Gegenteil, die Kata wurde gegründet, um die Prinzipien zu lehren,
die gebraucht wurden, um die üblichste Selbstverteidigungssituationen zu
überleben, und nicht als langer hingezogener Kampf gegen mehrere Gegner (Iwai,
1992).
Kinjo Akio, ein bekannter okinawanischer
Karate Forscher und Lehrer, der gut über 100 mal nach China, Hong Kong und
Taiwan reiste, um dort zu trainieren und die Wurzeln der okinawanischen
Kampfkünste zu erforschen, behauptet, dass diese Kata ursprünglich 13
Techniken hatte, aber aufgrund der langen Zeit ihrer Entwicklung wurden mehr
Techniken hinzugefügt (Kinjo, 1999). Er behauptet auch, dass sich die
okinawanische Seisan Kata aus dem Yong Chun Kranich Boxen der Provinz Fujian
in Südchina ableitet.
Es ist nicht sicher, wer diese Kata nach
Okinawa brachte, doch wir wissen, dass im Jahr 1867 Aragaki Seisho (1840 –
1920), ein Meister der chinesisch basierten Kampftraditionen (Toudi), diese
Kata nebst anderen vor dem letzten Sappushi Zhao Xin (Tomoyori, 1002;
McCarthy 1995,1999) demonstrierte.
Zu den Hauptlinien, die die Seisan beinhalten,
gehören diejenigen, die von Matsumura Sokon, Kyan Chotoku, Aragaki Seisho,
Higaonna Kanryo, Uechi Kanbun und Nakaima Norisato (unter anderen)
weitergegeben wurden. Shimabuku lernte diese Kata von Kyan. Sowohl die
Shimabuku Version als auch die Kyan Version dieser Kata ähneln stark der
Matsumura no Seisan (siehe Sakagami, 1978).
Die Theorie der „Meister Seishan“, nach der
die Kata von einem chinesischen Kampfkunstexperten namens Seishan (oder
Seisan) von China nach Okinawa gebracht wurde ist bestenfalls ein
unbestätigter Mythos, der vermutlich von wohl meinenden, aber nicht so wohl
geforscht habenden amerikanischen Isshin-ryu Instruktoren propagiert wurde.
Man kann diese Geschichte in keiner Literatur aus Okinawa oder Japan finden.
Seiunchin no Kata
Diese Kata scheint von Higaonna Kanryo nach
Okinawa gebracht worden zu sein, der sie angeblich von Meister Ruru Ko oder
vielleicht auch von Wai Xinxian gelernt hat, von dem man sagt, er habe im
alten Kojo Dojo der Stadt Fuzhou in der Provinz Fujian unterrichtet. Neuere
Forschungen deuten darauf hin, dass Ruru Ko tatsächlich Xie Zhongxiang, der
Gründer des schreienden Kranich Boxens war, doch diese Kata ist in dem Stil
nicht enthalten, was darauf hindeutet, dass Higaonna sie entweder anderswo
lernte oder sie selbst entwickelt hat. Hier jedoch stoßen wir auf ein
Problem, denn Nakaima Norisato (der Gründer des Ryuei-ryu) soll diese Kata
auch unter Ruru Ko gelernt haben. Eine andere Theorie besagt, dass Miyagi
diese Form gegründet hat oder sie aus anderen Quellen einführte.
Das Wort Seiunchin wird von vielen
okinawanischen Goju-ryu Stilisten als „kontrollieren, ziehen, kämpfen“
geschrieben, darunter auch der Isshin-ryu Lehrer Uezu Angi (der
Schwiegersohn (?) des verstorbenen Shimabuku Tatsuo), was möglicherweise auf
die verschiedenen Greif- und Ringtechniken hinweist, die darin enthalten
sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die „verstärkte Abwehr“, die tatsächlich
als Handgelenk zerschmetternder Gelenkhebel verwendet werden kann (Tokashiki,
1995), und die „Bogenschützenabwehr“, die als Wurf angewendet werden kann (Higaonna,
1981; Kai, 1987).
Otsuka Tadahiko, ein Goju-ryu Lehrer, der
beträchtliche Zeit in China und Taiwan zubrachte, um die Wurzeln seines
Systems zu erforschen, erzählt aus seiner Forschung, dass es Hinweise darauf
gibt, Seiunchin könne „folgen-bewegen-Kraft“ bedeuten, was man im Mandarin
Chinesisch als Sui Yun Jin aussprechen würde (Otsuka, 1998). Kinjo Akio
sagt, seine Forschungen hätten ergeben, dass Seiunchin aus einem Falkenstil
des chinesischen Boxens stammt und „Blauer-Falken-Kampf“ bedeutet, was im
Mandarin als Qing Ying Zhan ausgesprochen wird oder im Fujian Dialekt als
Chai In Chin (Kinjo 1999).
Diese Kata wird in
vielen modernen Stilen des Karate-do bewahrt, darunter Goju-ryu, Isshin-ryu,
Shorei-ryu, Kyokushin, Shimabuku Eizo Linie des Shorin-ryu, Ryuei-ryu etc.
Naihanchi no Kata
Naihanchi (auch Naifuanchi) hat ganz typische
Nahkampftechniken, zu denen auch das Ringen (grappling ?) gehört. Im
modernen (d.h. nach 1900) Karate gibt es drei Kata, wobei die zweite und
dritte vermutlich von Itosu Anko gegründet wurden (Iwai, 1992; Kinjo 1991a;
Murakami, 1991). Eine andere populäre Theorie ist, dass die drei
ursprünglich eine Kata waren, doch von Itosu in drei getrennte Formen
geteilt wurden (Aragaki, 2000; Iwai, 1992).
Diese Kata wurde ursprünglich nicht dazu
gegründet, bei einem Kampf mit dem Rücken zu Wand angewendet zu werden, aber
dies schließt solche Interpretationen nicht aus. Während die Kata selbst von
einer Seite zur anderen geht, halten sich die Anwendungen sehr häufig gegen
einen Angreifer, der von vorn angreift oder von der Seite oder von hinten
zupackt. Einige sagen, dass die seitlichen Bewegungen dazu gedacht sind, das
Gleichgewicht und den Körper so aufzubauen, dass schnelle Bewegungen von
Füßen und Körper entwickelt werden (Kinjo, 1991 b).
Interessanterweise beginnen die meisten
Versionen der Naihanchi zur rechten Seite, darunter auch die Versionen von
Itosu, Matsumura und Kyan. Die Naihanchi des Isshin-ryu beginnt nach links.
Es gibt auch noch andere, die nach links beginnen, darunter die Schulen der
Kishimoto Soko Linie wie Gensei-ryu und Bugeikan (Shukumine, 1966), die
Tomari Version der Schulen der Matsumora Kosaku Linie wie Gohakukai (Okinawa
Board of Education, 1995) und die Version von Motobu Choki (Motobu, 1997).
Diese letzte könnte für Shimabuku Tatsuo zählen, der seine Naihanchi nach
links beginnt.
Die Isshin-ryu Naihanchi ist grundsätzlich
eine Wiederaufarbeitung der klassischen Naihanchi shodan, um sie mit den
Prinzipien in Einklang zu halten, um die Shimabuku seinen Stil aufbaute. Der
Hauptgrund, warum Shimabuku die Naihanchi nidan und sandan nicht bewahrte
ist vermutlich, weil sein Hauptlehrer Kyan sie nicht unterrichtete (Okinawa
Prefectural Board of Education, 1995).
Wansu no Kata
Viele sagen, dass diese
Kata 1683 von Sappushi Wang Ji (jap. Oshu, 1621 – 1689) nach Okinawa
gebracht wurde. Es ist möglich, dass sie durch die Techniken, die Wang Ji
gelehrt haben soll, inspiriert oder gegründet wurde.
Das Problem mit dieser Theorie ist folgendes.
Warum sollte ein hochrangiger Regierungsbeamter seine Kampfkünste
(angenommen er kannte welche) an die Okinawaner weitergeben? Darüber hinaus
war Wang Ji nur 6 Monate lang in Okinawa (Sakagami, 1978).
Wang Ji stammte
ursprünglich aus Xiuning in Anhui und war Beamter im Han Lin Yuan, eine
bedeutende Regierungsposition (Kinjo 1999). Um ein Beamter im Han Lin Yuan
zu werden, musste man ein hochrangiger Gelehrter sein und verschiedene
landesweite Test absolvieren (Kinjo, 1999). Allein die Vorbereitung für eine
solche Aufgabe würde zumindest zeitweise die Übung in den Kampfkünsten
völlig in den Hintergrund drängen. Wenn wir jedoch annehmen, dass Wang Ji
mit den Kampfkünsten vertraut war, dann gehört das Quanfa von Anhui zum
nördlichen Boxen, während die Techniken der okinawanischen Wansu klar aus
dem Süden stammen (Kinjo 1999).
Wenn also Wansu nicht Wang Ji war, wer war er
dann? Dies ist bislang unbekannt. In den okinawanischen Kampfkünsten ist es
nicht ungewöhnlich, dass die Kata nach ihren Gründern benannt werden. Einige
Beispiele dafür sind die Kusanku, Chatan Yara no Sai und Tokumine no kon. Es
ist absolut möglich, dass diese Kata von einem chinesischen
Kampfkunstmeister namens Wang eingeführt wurde. Wie der Leser möglicherweise
bereits weiß, ist es in die chinesischen Kampfkünsten üblich, einen Lehrer
als Shifu (wörtlich Lehrer-Vater) zu bezeichnen. Könnte der Name Wansu dann
nicht eine okinawanische Fehlaussprache von Wang Shifu sein (Kinjo, 1999)?
Andere Ansätze sind, dass Wu Xianhui (jap Go
Kenki, 1886 – 1940) oder Tang Daiji (jap. To Daiki, 1888 – 1937), zwei
chinesische Kampfkunstmeister, die im frühen 20. Jahrhundert nach Okinawa
umsiedelten, verantwortlich für die Einführung der Wansu Kata sind (Gima und
andere 1986). Als Randbemerkung: Wu war ein Boxer des schreienden Kranichs,
und Tang war bekannt für sein Tiger Boxen. Sie stammten beide aus Fujian.
Man glaubt, dass Shimabuku einige Techniken zu
dieser Kata hinzugefügt hatm wie z.B. die seitliche Fußtritte, die
Ausweichbewegung mit den Doppelfauststößen und den Ellbogenschlag, denn
diese findet man in keiner anderen Wansu Version des okinawanischen Karate.
Chinto no Kata
Diese Kata soll Matsumura Sokon von einem
Chinesen namens Chinto gelernt haben, aber die Legende kann nicht bestätigt
werden. Aus einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1914 von Gichin Funakoshi
(1867 – 1957, Gründer des Shotokan Karate), beruhend auf den Aussagen seines
Lehrers Itosu Anko (1827 – 1906, Schüler von Matsumura Sokon) ergibt sich
folgendes:
„Zu jenen, die von einem Schiffbrüchigen aus
Annan in Fuzhou Unterricht erhielten, gehörten: Gusukuma und Kanagusuku (Chinto),
Matsumura und Oyadomari (Chinte), Yamasato (Jiin) und Nakazato (Jitte), alle
aus Tomari, die die Kata getrennt voneinander lernten. Der Grund dafür war,
dass es ihr Lehrer eilig hatte, wieder in sein Heimatland zurückzukehren.“ (Shoto,
1914)
Dieser Autor glaubt, dass der „Matsumura“ in
dem oben zitierten Auszug nur eine Fehlaussprache von Matsumora Kosaku aus
Tomari ist. Die Tatsache von Matsumora Kosaku ist der Beweis dafür, dass
Matsumora diese Kata auch gelernt hat (??) (Kinjo, 1999).
Nun, was genau ist die Chinto? Es gibt eine
Form, die im Mandarin Chinesisch Chen Tou (jap. Chinto, wörtlich „den Kopf
senken“) genannt wird, in dem Stil Wu Zho Quan (auch Ngo Cho Kuen, Fünf
Ahnen Faust), der in den Quanzhou und Shamen Distrkten von Fujian sehr
populär war (Kinjo, 1999). Chen Tou auf das Senken des Körpers und das
Schützen des Kopfes. In der okinawanischen Chinto Kata ist dies die erste
Technik, doch in der Fünf Ahnen Faust ist es die letzte (Kinjo, 1999). Der
Autor muss jedoch an dieser Stelle erwähnen, dass er die Chen Tou selbst
noch nicht gesehen hat, um eine vergleichende Analyse zu machen. Doch es ist
in jedem Fall weitere Nachforschungen wert.
Es gibt im modernen okinawanischen Karate drei
unterschiedliche „Familien“ der Chinto: Matsumura/ Itosu Linie (vor und
zurück ausgeführt), Kosaku Matsumora Linie (seitlich ausgeführt) und Kyan
Chotoku Linie (in einem 45° Winkel ausgeführt). Wenn man sich den
technischen Inhalt betrachtet, dann sind die Matsumora und Kyan Versionen
nahezu identisch, was nur natürlich ist, da Kyan diese Kata von Matsumora
lernte.
Sanchin no
Kata
Diese Kata wird von vielen Schriftstellern als
die ursprüngliche Übung beschrieben, die Bodhidharma den Mönchen im Shaolin
Tempel unterrichtete. Diese Theorie hat jedoch keinerlei Beweise, so dass es
tatsächlich nur eine Spekulation bleibt.
In jedem Fall haben die okinawanischen
Versionen der Sanchin im Quanfa der Fujian Provinz, wo viele, wenn nicht die
meisten Quanfa Stile eine Form mit diesem Namen haben. Tatsächlich scheint
der Begriff Sanchin (in Kanji als „drei Schlachten“ geschrieben) nur in
Fujian basierten Quanfa Systemen aufzutauchen, denn in den Kampfkünsten
anderer Gebiete findet man keine Form dieses Namens. (Kinjo, 1999).
Viele Forscher, speziell aus der Goju-ryu
Tradition, schreiben es Kanryo Higashionna zu, die Sanchin aus seiner
Studienzeit in China mit zurück gebracht zu haben (Higaonna, 1981; Kai,
1987). Es gibt jedoch Nachweise dafür, dass die Sanchin schon vor
Higashionnas Reise nach Fujian in Okinawa existierte und von Aragaki Seisho
weitergegeben wurde, der Higashionnas erster Lehrer war (Iwai, 1992; Okinawa
Prefectural Board of Education, 1995).
Higashionnas Lehrer in Fujian soll nach
verbreiteter Überzeugung Xie Zhong Xiang, der Gründer des Schreienden
Kranich Boxens, gewesen sein (McCarthy, 1995; Okinawa Prefectural Board of
Education, 1995, Otsuka, 1998; Tokashiki, 1995). Es gibt jedoch auch
Widerstände gegen diese Theorie (Kinjo, 1999). Higashionna soll von Xie die
Happoren gelernt haben, die – wie es heißt - die Basis der modernen Goju-ryu
Version der Sanchin ist (Otsuka, 1998). Higashionna integrierte vermutlich
Konzepte aus der Happoren in die Sanchin, die er von Aragaki gelernt hatte.
Wenn man jedoch nur die Happoren übt, ist die Atmung leise (Otsuka, 1998).
In jedem Fall ließ Higashionna seine Schüler
mehrere Jahre nur die Sanchin üben, ehe er ihnen erlaubte, zu den anderen
Kata überzugehen, die er unterrichtete. Higashionna lehrte offensichtlich
die Sanchin zuerst als Kata mit offenen Händen und schneller Atmung und
veränderte sie später in eine langsamere Version mit geschlossenen Fäusten (Higaonna,
1981; Murakami, 1991). Andere schreiben es Miyagi Chojun zu, die Fäuste
geschlossen und die Atmung verlangsamt zu haben (Kinjo, 1999).
Es gibt einen provokativen Bericht über die
Bedeutung der Sanchin in Higashionnas Unterricht:
„Als ich noch ein Kind war, wollte ich das
Karate des berühmte Higashionna Sensei sehen, wenigstens einmal. Also ging
in zu dem Ort, an dem er unterrichtete. Aber ganz egal, wann ich auch hin
ging, niemals sah ich Higaonna Karate machen. Seine Schüler übten nur mit
aller Kraft die Sanchin, und Higashionna Sensei leitete sie an.“ (Murakami,
1991, S. 133)
Die Zahl 3 der Sanchin wird im Englischen oft
als der Kampf zwischen Geist, Körper und Atmung beschrieben. Andere
Beschreibungen beziehen sich auf Angriff und Verteidigung auf drei Ebenen,
d.h. die obere, mittlere und untere Ebene (Kinjo, 1999; Otsuka, 1998;
Tokashiki, 1995). Die drei wichtigsten Punkte der Sanchin wurden als
Stellung, Methode der Atmung und Geist beschrieben. Wenn einer dieser drei
fehlt, kann die Sanchin nicht gemeistert werden (Higaonna, 1981).
Higashionna Kanryos Sanchin enthält zwei
Drehungen und nur einen Schritt zurück. Um das Fehlen der Rückwärtsschritte
auszugleichen, gründete Miyagi Chojun eine kürzere Version der Kata, die
keine Drehungen enthält, dafür jedoch zwei Rückwärtsschritte (Higaonna,
1981). Diese Version verwendet Shimabuku Tatsuo in seinem Isshin-ryu System.
Kusanku no Kata
Diese im Isshin-ryu oft als „Nacht Kampf Kata“
beschriebene Form wurde von Kyan Chotoku an Shimabuku Tatsuo weitergegeben.
Es ist aber interessant, dass man in den ersten Quellen, die aus Japan und
Okinawa kamen, keine Hinweise auf das Nacht-kämpfen findet, was den Autor zu
dem Schluss führt, dass solche Interpretationen zusammengetragen wurden, um
Bewegungen zu erklären, die man nicht gut verstand.
Im Jahr 1762 kam ein Tribut Schiff, das von
Satsuma nach den Ryukyu segelte, in einem Sturm vom Kurs ab und landete
schließlich in der Tosa Provinz in Shikoku, wo es einen Monat blieb. Man bat
den konfuzianischen Gelehrten von Tosa, Tobe Ryoen (1713 – 1795), die
Aussagen der Mannschaft einzusammeln. Die Zusammenfassung dieser Aussagen
ist als das Oshima Hikki (wörtlich „der Oshima Vermerk“, der Name der Gegend
in der Nähe von Tosa, wo das Schiff auf Grund lief). In diesem Buch gibt es
eine recht provokative Aussage von einem gewissen Shionja Peichin, in der
ein Mann namens Koshankin aus China eine Ringer (grappling) Technik
demonstriert (McCarthy, 1995; Sakagami 1978).
Es wird allgemein angenommen, dass dieser
Koshankin der Gründer der okinawanischen Kusanku Kata war oder sie zumindest
inspirierte. In dieser Gleichung gibt es jedoch verschiedene Unbekannte.
Zuerst einmal stellt sich die Frage, ob Koshankin ein Name oder ein Titel
war oder vielleicht auch nur ein Rufname unter Freunden? Wenn es nur ein
Titel oder ein Name unter Freunden war, wie war dann sein wirklicher Name?
Und schließlich, welche Kampfkunst/künste lehrte er, und wie unterscheiden
sie sich von der modernen Kusanku Karate Kata? Die meisten dieser Fragen
werden noch immer von Autor und anderen erforscht.
Für heute mag es genügen, dass die Kusanku in
den okinawanischen Kampfkünsten eine Kata von höchster Bedeutung ist und
über die Jahre viele Versionen entwickelt hat. Einige von ihnen sind die
Kusanku dai und sho der Stile aus der Itosu Anko Linie, die Chibana no
Kusanku aus dem Shudokan, die Takemura no Kusanku aus dem Bugeikan und
Gensei-ryu, die Kanku dai und sho aus dem Shotokan, die Shiho Kusanku aus
dem Shito-ryu und die Yara no Kusanku aus den Stilen der Linie Kyan Chotoku,
darunter auch das Isshin-ryu.
Kyan Chotoku soll die Kusanku in Yomitan unter
einem gewissen Yara Peichin gelernt haben (Nagamine 1975, 1976). Es ist
derzeit nicht bekannt, ob es zwischen Yara Peichin und Chatan Yara, der
Mitte des 18. Jahrhunderts unter Koshankun studiert haben soll, eine
familiäre Verbindung gibt.
Sunsu no Kata
Diese Kata wurde von Shimabuku Tatsuo
gegründet, obwohl es immer noch nicht klar ist, wann genau er das tat. Sie
wird oft als eine Kombination aus den Techniken und Prinzipien der sieben
anderen Isshin-ryu Kata beschrieben. Es gibt jedoch auch noch Elemente von
anderen Kata, wie der Useishi (Gojushiho) und der Passai, die Shimabuku
unter Kyan gelernt haben soll.
Es gibt auch eine Sequenz, die anscheinend aus
der Pinan Sandan kommt. Shimabukus Lehrer jedoch haben die Pinan Kata soweit
bekannt ist nicht unterrichtet, also stehen wir vor dem Problem, wo er sie
gelernt hat. Wenn man sich aber den Zeitrahmen anschaut, in dem Shimabuku
aktiv war, dann wird klar, dass er die Pinan eigentlich überall gelernt
haben konnte oder dass er die Technik vielleicht nur aus der Beobachtung der
Pinan übernahm.
Es scheint etwas an Verwirrung zu geben, was
der Name Sunsu bedeutet. Es wurde behauptet, dass er entweder „starker Mann“
(Uezu und andere, 1982) oder „Sohn des alten Mannes“ (Advincula, 1998)
bedeutet. Ein neuerer Zeitungsartikel aus Okinawa erzählt uns eine andere
Geschichte:
„Man sagt, wenn Shimabuku die Sanchin Kata
ausführte, schien er so unerschütterlich, dass selbst eine große Welle ihn –
ähnlich wie die großen Salzfelsen am Strand - nicht vom Fleck bewegen
konnte. Seine Schüler gaben ihm daher voller Respekt den Spitznamen „Shimabuku
Sun nu Su“ (Meister des Salzes).“(Ryukyu Shinpo-sha, 1999, S. 9)
Eine andere Möglichkeit ist, dass die Sunsu
nach dem Familien Tanz der Shimabuku Familie benannt wurde (Advincula,
1999).
Was auch immer die
Bedeutung ist, man kann sicher sagen, dass die Sunsu Kata den Gipfel von
Shimabukus Verständnis in den Prinzipien der defensiven Traditionen
darstellt, und zusammen mit dem Isshin-ryu sein einzigartiger Beitrag zur
klassischen Kunst des Okinawan Karate-do war.
Die Kata des Okinawa Isshin-ryu Karate-do
(im Originaltext mit Kanji)
Seisan
Seiunchin
Naihanchi
Wansu
Chinto
Sanchin
Kusanku
Sunsu
Die Linie des Isshin-ryu Karate
|
SEISAN |
Matsumura Sokon - Kyan Chotoku - Shimabuku
Tatsuo |
|
SEIUNCHIN |
Higashionna Kanryo(?) - Miyagi Chojun -
Shimabuku Tatsuo |
|
NAIHANCHI |
Matsumura Sokon - Kyan Chotoku - Shimabuku
Tatsuo |
|
|
Matsumora Kosaku - Motobu Choki -
Shimabuku Tatsuo |
|
WANSU |
Maeda Peichin - Kyan Chotoku - Shimabuku
Tatsuo |
|
CHINTO |
Matsumora Kosaku - Kyan Chotoku -
Shimabuku Tatsuo |
|
SANCHIN |
Higashionna Kanryo - Miyagi Chojun -
Shimabuku Tatsuo |
|
KUSANKU |
Yara Peichin - Kyan Chotoku - Shimabuku
Tatsuo |
|
SUNSU |
gegründet von Shimabuku Tatsuo |
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Uezu A. and Jennings, J. (1982) Encyclopedia of Isshinryu Karate, Book
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Über den Autor:
Joe Swift ist ein hauptberuflicher Übersetzer, Kampfkunstanhänger und Karate
Forscher. Er lebt in Kanazawa Japan.
Text : © Joe Swift
mit freundlicher Genehmigung von Joe Swift
Deutsche Übersetzung : © 2004 Budo Studien Kreis
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