Deutsche
Übersetzung Thomas Heinze (Budo Studien Kreis)
Hinweis: Dies ist eine vollständige Übersetzung des von Herrn
Seijin Jahana geschriebenen Artikels, der Originaltitel "Choki Motobu,
ein Vorläufer von kämpferischem Karate" erschien in der monatlichen
Zeitschrift "Aoi Umi" (= blaues Meer) Nr. 70 Februar1978 Ausgabe
(Seiten 106-110.) Diese Nummer bringt Artikel über okinawanische
Karatemeistern. Die Zeitschrift wurde auf Okinawa herausgegeben, aber
später eingestellt.
Ich war auf Okinawa im Jahr 1978. Es schien bald zu regnen, am frühen
Abend. Ich musste sein Haus schnell finden, so dass ich eilig hatte.
Einige Regentropfen fielen auf meinem Kopf, als ich das Hauses des
80jährigen Chozo Nakama fand, das von einer Bretterwand umgeben war.
Als mir erlaubt wurde, das Haus zu betreten, begann es zu regnen. Der
Boden des Hofs war glattgestampft. Vielleicht war es Herrn Nakamas
Karatedojo. Dort lag auch eine vom Regen nasse Hantel.
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Herrn Nakama wurde "Hanshi" (der
höchste Titel), 9. Dan (= Grad), schwarzer Gürtel, zuerkannt. Er lehrt
am Montag, Mittwoch und Freitag um 19:30 Uhr Karate an einem
Gemeinschaftszentrum auf Sakiyama, Shuri, Okinawa. Er lernte Karate
direkt von Choki Motobu (1871-1944). Es war etwa 1940, als Choki
Motobu in Nishishinmachi (= jetzt Kumecho), Naha Stadt nach dem
Zurückkehren nach Okinawa von Osaka, Japan sein eigenes Dojo öffnete
(= eine Ausbildungshalle). Ich besuchte Herrn Nakama, um die
Geschichten über seinen Lehrer, Choki Motobu während dieser Zeit zu
hören.
Choki Motobu starb bei seiner Frau zu Hause auf Tomari, Okinawa in dem
Jahr, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Er starb im Alter von 73.
Sein Leben war immer mit Karate und Karate.
Er wurde auf Akahira, Shuri, Okinawa im Jahr 1871als der dritte Sohn
von Motobu Udun geboren (= ein Lehnsherr). Sein älterer Bruder war
Choyu Motobu, der Gründer des Motobu-ryu Karate. Choki Motobu war von
Natur aus ein grober Kämpfer. Er begann, Makiwara zu schlagen, (= ein
Schlagbrett), als er ein Kind war und übte Karate auf seine eigene
Weise. Genialität zeigt sich sogar in Kindheit. "Lass uns Karatekampf
spielen, Opa spielen!" Es sagte oft seinem Onkel, der wie ein Lehrer
von Kobudo (= okinawanische klassische Waffenkünste) als auch ein "Ufuchiku"
war (= ein Polizeifeldwebel) und regelmäßig Chokis Vater zu Hause
besuchte, um sich zu unterhalten.
Da er durch das Trainieren auf seine eigene Weise stark genug wurde,
ging er fast jede Nacht zu einem Vergnügungsbezirk wie Tsujimachi und
forderte irgendeinen stark aussehenden Mann dazu heraus, dass er mit
ihm auf der Straße kämpfte. Aus diesem Grund war sein Ruf unter
Karatekämpfern zu dieser Zeit sehr schlecht. Niemand in seinem Alter
konnte ihn besiegen.
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MOTOBU CHOKI (re)
übt zusammen mit MABUNI KENWA |
Vielleicht dachte er,
dass sein Straßenstreit eine seiner Karateausbildung war. Chokis
Kampffertigkeiten wurden in diesen echten Kämpfen geschaffen, obwohl
die Leute seine Straßenschlägereien missbilligten. Sie sagten, dass
seine Kampffertigkeiten sehr vielfälltig und erstaunlich waren. Er
schuf seine Kumite Techniken(= kämpfen) allein. Er akzeptierte selten
Schüler, da er fürchtete, dass seine Kumite Techniken "gestohlen"
werden könnten.
Obwohl Choki Karate auf seine eigene Weise studierte, hatte er in der
Tat drei Lehrer. Sein erster Lehrer war Anko Itosu, aber er wurde bald
abgelehnt, Meister Itosu zu sehen, da Meister Itosu Beschwerden über
Chokis Straßenkämpfe erhielt.
Sein zweiter Lehrer war Shitsunen Tokumine. Meister Tokumine war ein
starker Trinker. Choki brachte eine Flasche Sake (= Reisschnaps) als
eine Lehrgebühr mit. Eines Tages war Meister Tokumine sehr betrunken
und orientierungslos in Tsujimachi. Er hatte einen Kampf mit Dutzenden
"Chikusaji" (= Polizisten) dort, und schließlich wurde er von der
Polizei festgenommen und auf eine entfernte Insel in Yaeyama verbannt
(= Ishigaki Inseln). Er starb auf der Insel. Meister Tokumine war ein
Experte im Karate und im Kampf mit dem Stock (Bo). Chotoku Kyan alias
Kyan Miigwaa (= kleine Augen) besuchte Yaeyama, um Bo-Kata von Meister
Tokumine zu erlernen, jedoch war Tokumine zu diesem Zeitpunkt schon
verstorben. Glücklicherweise hatte der Eigentümer eines kleinen
Gasthauses, wo Meister Tokumine einmal übernachtete, die Bo-Kata
direkt von Meister Tokumine gelernt, so dass er Kyan die Kata
beibrachte. In Yaeyama gibt es heute immer noch eine Bo-Kata, deren
Name "Tokumine No Kun" ist (= Sotckkampfkunst des Meisters Tokumine).
Nachdem Meister Tokumine auf eine entfernte Insel verbannt wurde, ging
Choki Motobu zum Karate Dojo von Meister Kosaku Matsumora. Als er den
Meister darum bat, ihn Karate zu lehren, änderte er seinen Namen in
Sesoko, nicht Motobu. Er fürchtete, dass sich Meister Matsumora sonst
auch weigern würde ihn zu empfangen, genauso wie sein erster Meister
Itosu. Er wurde vom Meister Matsumora akzeptiert, aber Chokis
schlechter Ruf enttarnte bald seinen wahren Namen Choki Motobu alsia
Motobu Saaruu (= Affe). Meister Matsumora rief ihn zu sich und fragte.
"Warum erzählten Sie mir eine Lüge, dass Ihr Name Sesoko ist?"
"Es ist wahr, Meister. Ich würde Sie nicht anlügen. Mein Name ist
nicht nur Motobu, sondern auch Sesoko. Der Familienname meiner Mutter
ist Sesoko. Ich wurde im Dorf meiner Mutter aufgezogen, als ich ein
Kind war."
"Ich verstehe. Lügen Sie niemals!"
"Nein, nie!"
Dann wurde er formell als Schüler akzeptiert.
Choki war sehr offen und aufgeschlossen, so dass er sich überhaupt
nicht für Geld interessierte. Er gab immer das ganze Geld aus, das er
hatte. Es war seine spätere Periode von seinem Leben. Als Herr Nakama
Choki zu Hause besuchte, lud ihn Choki zu einem Spaziergang ein. Zu
dieser Zeit erhielt Choki ein Taschengeld in Höhe der genauen Kosten
für Essen, Taxi usw. von seiner Frau, die mit ihm zusammenlebte, seit
sie in Osaka blieben. Sie war darüber besorgt, dass er das ganze Geld
mit ihm ausgeben würde, wenn sie ihm etwas zusätzliches Geld gab.
Unnötig zu sagen, dass Choki kein Geld sparen konnte. Er konnte auch
kein Geld verdienen. Seinem Pferdekutschengeschäft auf Okinawa ging
pleite, so dass er und seine Familie etwa 1921 nach Osaka, Japan
gingen.
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Es gibt eine berühmte Geschichte
darüber, dass Choki einen Kampf mit einem professionellen Boxer hatte,
als er in Osaka war. Er arbeitete als Wache in einer Baumwollfabrik.
Es war ein Eigentümer der Pension, in der Choki lebte, der ihm
vorschlug, ein mit einem Boxer zu kämpfen. Der Eigentümer fand eine
Anzeige in der Zeitung, dass ein Förderer eines russischen Boxers,
Johnson, einen Gegner suchte. Er erklärte die Anzeige Choki, der keine
Briefe lesen konnte, und als Witz schlug er Choki vor, sich um dieses
Angebot zu bewerben. Choki stimmte seinem Vorschlag sofort ernsthaft
zu. Der Eigentümer einer Pension war überrascht, Chokis Antwort zu
hören, aber er machte eine Bewerbung für Choki.
Nun, am Tag des Boxkampfs war der Ring voller Menschen. Der große
russische Boxer gegen den kurzen Choki.
"Dieser Mann (= Choki) muss ein Narr sein!" sagten viele Zuschauer.
Choki wurde aufgefordert, die Boxhandschuhe anzuziehen, aber er
weigerte sich, sie anzuziehen.
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Ausschnitte aus
Tageszeitungen, die über diesen Kampf berichten. Irrtümlich ist hier
FUNAKOSHI und nicht Motobu abgebildet. |
"Er ist wirklich
verrückt!" sagte die Zuschauer nochmals.
In der ersten Runde trieb der große russische Boxer Choki in eine Ecke
des Rings. Der Boxer war stärker und zäher als erwartet. "Ich kann ihn
nicht besiegen. Ich verliere.", dachte Choki. "Aber, wenn ich diesen
Kampf leicht verliere, würde ich meine Okinawan Mitstudenten des
Karates sehr bedauern." Die erste Runde war nach großen
Schwierigkeiten für Choki vorbei.
In der zweiten Runde dachte der professionelle Boxer Johnson
vielleicht, dass dieser Kampf für ihn zu leicht war. Er rannte in
Richtung Chokis ohne aufzupassen. Den unkonzentrierten Moment sehend,
sprang Choki vor. Der große Körper von Johnson fiel auf die Matte.
Einen Moment lang konnten die Zuschauer nicht verstehen, was geschehen
war. Dann erkannten sie, dass Choki den Kampf gewonnen hatte und
schrien sie vor Begeisterung und applaudierten. Einige von ihnen
warfen Geld und Uhren in den Ring. Choki sprang vor und schlug mit
seiner Faust auf die Rückseite von Johnsons Ohr. Choki Motobus oder
Motobu Saaruus Kunst zu springen und Karatefertigkeiten waren wirklich
erstaunlich.
Über den Kampf wurde viel im ganzen Land in Zeitungen und
Zeitschriften berichtet, so dass der Name von Choki Motobu und die
Kraft des Karate sehr berühmt wurden. Einige Leute besuchten ihn mit
der Bitte, sie Karate zu lehren.
Choki lehrte auch nach einer Anfrage an der Universität. Als er dort
unterrichtete, fungierten die okinawanischen Studenten als Dolmeter,
da Choki nicht Yamatoguchi (= Standardjapanische Sprache) sprechen
konnte. Der Dolmetscher übersetzte Chokis Erklärung von Kata usw. in
Uchinaaguchi (= Okinawan Dialekt) ins Standardjapanische. Sein
Analphabetentum und sein Mangel an Bildung waren wahrscheinlich der
Grund, dass von Choki so ein schlechtes Bild eines unhöflichen und
groben Kämpfers ohne Manieren existierte. Aber er war in der Tat
höflich und achtete sehr streng auf gute Manieren nicht nur bei sich,
sondern auch bei seinen Schülern.
In etwa 1937 oder 1938 war Choki auf Okinawa, während seine Familie in
Osaka blieb. Ein Judolehrer namens Sudo kam nach Okinawa von Japan, um
Karate zu studieren. Er war ein 8. Dan (später er wurde 10. Dan). Er
besuchte Herrn Kojun Yamashiro, der auch ein Judolehrer auf der
zweiten mittleren Schule war (= jetzt die Naha High-School). Sudo
besuchte viele Karateka (= Karateübende) auf Okinawa. Einen Tag kam er
zu Choki und forderte ihn zu einem Kampf heraus. Choki akzeptierte die
Herausforderung. Sie machten Regeln vor dem Kampf, weil sie schwer
verletzt oder geschädigt werden könnten, wenn sie einander wirklich
mit wirklichen Karatetechniken bekämpfen, ohne jede Regel oder
Einschränkung.
Choki und Sudo nahmen eine Ausgangsposition ein und beobachteten
scharf einander, ohne sich zu bewegen. Eine Minute verging. Zwei
Minuten vergingen.
"Ich kann nicht gewinnen. Bitte lehren Sie mich Karate!" sagte Sudo
und lockerte den Stand.
Ich nehme an, dass ein wahrer kriegerischer Künstler die Fähigkeit und
Kraft seines Opponenten sehen kann, wenn er mit scharfen Augen den
Gegner ansieht, wenn sie einander gegenüber stehen.
Seit diesem Tag kam Sudo, ein Judolehrer, täglich zu Choki, um Karate
zu studieren. Er erfuhr, wie man gegen einen Mann zu kämpft, der ein
Messer hatte, wie man mit Karatetechniken antworten soll, wenn man von
vielen Männern usw. umgeben, ist. Er studierte praktisches Karate von
Choki Motobu, dem Pionier des kämpferischen Karate.
Es gibt eine andere Geschichte über diesen Kampf. Als Choki auf Sudo
stieß, um zu kämpfen, trug er einen Haori-Hakama (= ein japanischer
traditioneller schwarzer Kimono mit einem Mantel darüber, ein
formeller Anzug zu dieser Zeit). Er dachte mit gewöhnlicher Kleidung
würden ihm gute Manieren fehlen, so dass Herr Nakama, sein Schüler ihm
einen Haori-Hakama lieh. Choki selber hatte keine formelle Kleidung.
Es gibt sehr wenige Bücher von Choki Motobu. Es ist bedauerlich, dass
es kein umfassendes Buch von Chokis Kumite Techniken gibt. Ich
wünschte, dass er solche Bücher geschrieben hätte. In der Tat hatte
Choki den Plan Karatebücher herauszugeben. Es gab ein nach seinem
Diktat geschriebenes Manuskript. Als er im Begriff war, wieder nach
Osaka zu gehen, bat er Herrn Nakama darum, das Manuskript für ihn zu
behalten.
"Bitte senden Sie es mir sofort zu, wenn ich Sie frage." sagte Choki.
Es war ein sehr dickes Manuskript. Herr Nakama kopierte es in seinen
vier Notizblocks. Einige Tage später wurde Herr Nakama darum gebeten,
das Manuskript zu Choki in Osaka zu schicken. Aber das Buch wurde
schließlich nicht herausgegeben. In der Tat verkaufte Choki jemand
anderem sein Manuskript für Geld. Er hatte keine Wahl, außer sie zu
verkaufen, da er Geld brauchte, um das Krankenhaus zu bezahlen. Er war
aufgrund einer Krankheit im Krankenhaus gewesen.
Herrn Nakamas Notizblocks mit der Manuskriptkopie verbrannten während
eines Bombenangriffs auf Okinawa im zweiten Weltkrieg zu Asche. An wen
oder welchem Verleger verkaufte Choki dem Originalmanuskript?
Existiert dieses Manuskript immer noch?
Der Inhalt des Manuskripts besteht aus Karategeschichte, Kata,
Anwendungen von Kata, sich Kampftechniken usw.. Es muss ein
umfassendes Buch von Choki Motobus Karatestudien gewesen sein.
Die Leute missbilligten Chokis Karate, da sie dachten, dass es
ausschließlich für den Zweck des Kämpfens war. In Wirklichkeit jedoch
war er immer ernsthaft oder nahm Karate sehr ernst. Angesichts dessen
ist es ziemlich bedauerlich, dass Chokis umfassendes Buch nicht
erschien.
Aber es ist vielleicht gut für Choki Motobu, der sehr selten Schüler
akzeptierte, da er fürchtete, dass seine Karatetechniken "gestohlen"
werden könnten. Wenn er immer noch lebendig wäre, vielleicht würde er
uns auffordern, nicht die Techniken anderer Karateka "zu stehlen",
sondern selber welche zu erschaffen.
Englische Übersetzung : © by Sanzinsoo,
Okinawan
Gojuryu Karate
mit freundlicher Genehmigung von Sanzinsoo
Deutsche Übersetzung : © 2003 by Thomas
Heinze, Budo Studien Kreis
All rights reserved.
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