Die Geschichte
des Matsubayashi ryu
Das Matsubayashi ryu ist einer der vier
großen Stile des Shorin ryu neben dem Shobayashi ryu, dem Kobayashi ryu und
dem Matsumura Seito (orthodoxes Matsumura ryu).
Die japanischen Schriftzeichen für Matsubayashi ryu bedeuten
"Pinienwald" und werden im Chinesischen auch "Shaolin"
gelesen, ein Umstand, der auf die chinesischen Wurzeln des Stiles hinweisen
soll.
Die chinesischen Kampfkünste (insbesondere das Shaolin-Quanfa) hatten über
viele Jahrhunderte Einfluss auf die Entwicklung der okinawanischen
Kampfkünste durch den Umstand, dass Okinawa und China enge wirtschaftliche
Beziehungen hatten. Dadurch kam es zum Austausch von Kampftechniken und
chinesische Techniken flossen so in die okinawanischen Kampfkünste ein.
Mitglieder der okinawanischen Adelsklasse reisten nach China, um dort zu
lernen, chinesische Meister der Kampfkünste (z.B. Kushanku) kamen nach
Okinawa.
Insbesondere die Kampfkunst der Stadt Naha wurde durch die Chinesen
beeinflusst (Naha te - später Uechi ryu, Goju ryu etc.). Die Stile aus Tomari
und Shuri nahmen weniger Techniken auf und blieben ziemlich okinawanisch.
Das Matsubayashi ryu wurde im Juli 1947 von NAGAMINE SHOSHIN gegründet. Mit
dem Namen wollte die beiden wichtigsten Lehrer seiner eigenen Lehrer ehren :
MATSUMURA SOKON aus Shuri und MATSUMORA KOSAKU aus Tomari.
Nagamine Shoshin :
NAGAMINE
SHOSHIN wurde am 15. Juli 1907 in
Tomari geboren und war als Kind sehr kränklich. Als er 17 Jahre war, begann er aufgrund einer
Magenerkrankung
mit der Übung des Karate unter Meister KUBA CHOJIN. Schon nach kurzer
Zeit stellte Nagamine fest, dass sich sein Gesundheitszustand
verbessert hatte und so entschied er sich endgültig für Karate.
Mit 19 Jahren lernte er in Shuri in
einer Karateschule, die von SHIMABUKURO
TARO geleitet wurde. Zusammen mit diesem trat er später der Schule
von ARAGAKI ANKICHI
(Schüler von GUSUKUMA SHIMPAN, HANASHIRO
CHOMO, CHIBANA CHOSHIN and KYAN
CHOTOKU) bei, der ihm von Shimabukuro empfohlen wurde. Im Abschlussjahr der
Hochschule ist er Leiter der Karateschule. Anlässlich einer
Vorführung in Naha trainierte er in der Vorbereitungszeit mit IHA
KOTATSU, einem Schüler von MATSUMORA
KOSAKU.
Nachdem er den Militärdienst beendet hatte, arbeitete
er ab Dezember 1931 bis 1935 bei der Polizei in der Ortschaft Kadena, um seine Übungen fortsetzen
zu können. Während dieser Zeit lernte er direkt unter KYAN
CHOTOKU (Begründer des Shobayashi ryu), bei dem er die Kata Bassai, Kushanku und Chinto erlernte.
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Als er 1936 in Tokyo an der Polizeiakademie studierte, war er gleichzeitig Schüler
bei MOTOBU CHOKI und begann 1938 mit der Übung des
Kendo. Während dieser Zeit lernte er HANASHIRO
CHOMO und YABU KENTSU kennen. Beide warnten ihn vor den Änderungen, die
die Japaner an den Kata vornahmen.
Nach einer Prüfung
wurde er im Mai 1940
zum Renshi ernannt und erlangte gleichzeitig den 3. Dan im Kendo. Er war
später auch Mitglied des Kendo-Teams der okinawanischen Polizei und
nahm auch an Wettbewerben teil. Der Grund für seine Begeisterung
für diese japanische Schwerkunst lag im Forscherdrang von Nagamine.
Er wollte die Gemeinsamkeiten von Kendo und Kata herausfinden.
Sein erstes Karate Dojo namens Tomari Ken Yu Kai eröffnete Nagamine
1943 in Tomari. Sein Lehrer Kyan Chotoku war auch bei der Eröffnung
zugegen und führte die Passai, sowie Bojutsu vor. Das Dojo wurde
jedoch während des Krieges zerstört.
Kurz nach Beendigung des Krieges
arbeitete Nagamine in einem Hospital. Zufällig fand er zu dieser
Zeit eine Ausgabe von FUNAKOSHI's "Karate-Do Kyohan".
Fortan glaubte er, dass sei kein Zufall sondern sein Schicksal,
welches ihm den Weg des Karate weisen wolle. Er arbeitete weiter als
Polizist, setzte sich aber mehr denn je für die Förderung des
Karate ein, um so jungen Menschen wieder einen Sinn für Moral und
Zukunftsperspektiven zu geben.
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Als Polizist unterrichtete er andere Polizisten im Judo und brachte
ihnen nebenbei auch Karate bei. Nachdem er mit seinem Judoteam einen
großen Judowettkampf gewonnen hatte, gab er seinen Posten auf, um
ein Dojo aufzubauen.
Im Juli 1947 gründete er den Stil Matsubayashi
ryu. Der Name basierte auf den Anfangssilben seiner beiden
wichtigsten Lehrer seiner Lehrer Kyan und Motobu: MATSUMURA
SOKON (Shuri te) und Matsumora Kosaku (Tomari te). Er war zwar nicht deren direkter Schüler, stand aber bei
beiden in deren direkten Nachfolgelinie. So wollte er diese beiden
großen okinawanischen Meister ehren.
Entsprechend der Vielzahl an Lehrern, die Nagamine hatte, flossen ins
Matsubayashi ryu Kata und Prinzipien aus dem Shuri-te (Matsumura) und dem
Tomari-te (Matsumora) ein.
Er starb am 2. November 1997 auf
Okinawa. Sein Nachfolger ist sein Sohn TAKAYOSHI,
der auch der WMKA vorsteht.
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